Islandpferde und die Landschaft, die sie geprägt hat

Das Islandpferd ist eine der ursprünglichsten und markantesten Pferderassen der Welt. Seine Geschichte, seine Eigenschaften und sein Temperament sind eng mit der Landschaft, dem Klima und der Kultur Islands verbunden. Seit über tausend Jahren hat sich diese Rasse in Isolation entwickelt, geprägt durch natürliche Selektion und eine enge Beziehung zu den Menschen, die für ihr Überleben auf Pferde angewiesen waren.

Als sich vor mehr als tausend Jahren Siedler in Island niederließen, brachten sie Pferde aus ihren Heimatregionen in Skandinavien und von den Britischen Inseln mit. Diese Tiere wurden sorgfältig ausgewählt, denn der Platz auf den Schiffen war begrenzt und nur das wertvollste Vieh konnte die Reise antreten. In Island angekommen, bildeten diese Pferde die Grundlage für eine Rasse, die sich vollständig eigenständig und ohne äußeren Einfluss weiterentwickelte.

Sehr früh in der Geschichte Islands wurden Gesetze erlassen, die den Import von Pferden ins Land untersagten. Diese Entscheidung, die vor über neunhundert Jahren getroffen wurde, gilt bis heute. Dadurch ist das Islandpferd seit mehr als einem Jahrtausend genetisch isoliert geblieben. Pferde, die Island verlassen, dürfen niemals zurückkehren. Dies schützt die Gesundheit und Reinheit der Rasse. Diese ununterbrochene Abstammungslinie ist in der modernen Pferdewelt einzigartig und trägt wesentlich dazu bei, was das Islandpferd so besonders macht.

Das Leben in Island war nie einfach, und die Pferde mussten sich schnell anpassen. Lange Winter, begrenzte Weideflächen, vulkanische Landschaften und unberechenbares Wetter führten dazu, dass nur die stärksten und anpassungsfähigsten Tiere überlebten. Über Generationen hinweg formte diese natürliche Selektion ein Pferd, das außergewöhnlich robust, trittsicher und in der Lage ist, lange Strecken in anspruchsvollem Gelände zurückzulegen. Gleichzeitig mussten Pferde, die eng mit Menschen arbeiteten, ruhig, kooperativ und verlässlich sein. Diese Eigenschaften wurden ebenso wichtig wie körperliche Stärke.

Obwohl das Islandpferd kleiner ist als viele andere Rassen, wurde es nie als Pony betrachtet. Sein Körperbau ist kompakt und kräftig, mit starken Beinen und einem stabilen Rücken, der erwachsene Reiter Tag für Tag bequem trägt. Viele Reiter sind besonders überrascht davon, wie mühelos sich das Reiten anfühlt, vor allem im Tölt. Diese weiche, viertaktige Gangart ermöglicht es dem Pferd, sich zügig über unebenes Gelände zu bewegen und dem Reiter dabei einen ruhigen und komfortablen Sitz zu bieten. Sie ist nicht das Ergebnis moderner Ausbildung, sondern das Resultat jahrhundertelanger Zucht, orientiert an den praktischen Bedürfnissen der Menschen, die sich sicher und effizient durch die isländische Landschaft bewegen mussten.

Neben seinen körperlichen Fähigkeiten ist das Islandpferd auch für seinen Charakter bekannt. Viele Tiere sind neugierig, menschenbezogen und selbstbewusst, ohne nervös zu sein. Diese Eigenschaften entstanden durch den engen Kontakt mit Menschen über viele Generationen hinweg, in dem Vertrauen und Zusammenarbeit entscheidend waren. Auf den Höfen waren Pferde Teil des täglichen Lebens und nicht davon getrennt. Diese besondere Verbindung ist auch heute noch spürbar, ganz gleich ob man einem Pferd auf der Weide, auf einem Reitweg oder im Stall begegnet.

Im Laufe der Zeit hat sich die Rolle des Islandpferdes verändert. Was einst ein unverzichtbares Transport- und Arbeitstier war, ist heute ein Partner im Sport, in der Freizeit und auf Reisen. Doch die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist im Kern dieselbe geblieben. Das Islandpferd trägt die Geschichte der Insel in sich. Jeder Ritt ist eine Fortsetzung einer Geschichte, die vor über tausend Jahren begann und bis heute weitergeschrieben wird.